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Historie von Birkenwerder ab 1355 bis jetzt

Jüngste Ausgrabungen belegen die Besiedlung unserer Umgebung schon vor rund 5000 Jahren. Beim Abtragen eines Burgwalls an der Briesemündung in die Havel wurden in den 30er Jahren Scherben und Geräte gefunden, die das eindeutig nachweisen. Die Ersterwähnung von Birkenwerder geht auf das Jahr 1355 zurück. In einer Urkunde des Markgrafen Ludwig von Brandenburg ist Johann von Buch als erster nachweisbarer Besitzer von Birkenwerder ausgewiesen.

Anlass für die Ortsgründung kann Sicherungsbedarf für die alte Handelsstraße zwischen Berlin und der Uckermark sein, die über die Briesesenke führte. Die Besiedlung war recht schwach, im Landbuch Karls IV sind 1375 nur die Mühle, die Krugwirtschaft und einige Kossäten benannt. Die Besitzer des ehemaligen Rittersitzes wechselten mehrfach. Im 15. Jahrhundert gehörte Birkenwerder der Familie Bone, 1480 – 1504 folgten die Grafen von Lindow, die Wins herrschten von 1504 – 1633, Levin von der Knesebeck und sein Bruder übernahmen von 1633 – 1641, gefolgt von Franz Haake 1641 – 1649 und Frau von Kleist 1649 – 1653. In Birkenwerder, vom 30 jährigen Krieg schwer gezeichnet, leben nur noch 4 Kossäten. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg erwirbt das Dorf 1653 für seine erste Gemahlin Louise Henriette von Oranien. Ein Gebäudeverzeichnis nennt ein Wohnhaus, ein Brauhaus (wohl zum Krug gehörig), die Mühle (Obermühle) und die Sägemühle (Untermühle). Das bis dahin adlige Gut und Dorf wurde nun Staatsgut, eingebettet in die kurfürstlich brandenburgische Wirtschaftspolitik. Die Gerichtsbarkeit ging auf den Landesherren über, ein Gutsverwalter war verantwortlich für die Geschicke des Dorfes. Louise Henriette teilte die vier Ritterhufe für 6 Freibauern auf und ließ gegenüber der heutigen Kirche 5 Bauernhäuser bauen.

Der sechste Freibauer erhielt das alte Gutshaus an der Briese. Die Freibauern waren nicht erbliche Besitzer sondern Erbpächter. Sie mussten ca. ein Drittel des Jahres Frondienste leisten und waren zu Abgaben verpflichtet. Die Kossätenhöfe bestanden fort, allerdings mussten die Inhaber 2 bis 3 Tage wöchentlich Frondienste auf dem kurfürstlichen Gut Pinnow leisten. Zur Feldmark Birkenwerder gehörten rund 318 Morgen Roggen- und 78 Morgen Gerstenland, also etwa 400 alte preußische Morgen Acker. Das sind nach heutiger Rechnung 200 Hektar. Dazu kamen 320 Morgen Wiesen und die Heide, die gleichzeitig allen Kossäten als Viehweide diente. In die gleiche Zeit fällt die Erwähnung der Teerschwelerei, die den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Ortsteiles „Briese“ bildet. 1706 erhielt Birkenwerder eine eigene Pfarre, in die gleichzeitig die Filialen Hohen Neuendorf, Bergfelde, Borgsdorf und Pinnow gelegt wurden. Ein Pfarrhaus wurde gebaut, angrenzend an die alte Kirche und den Kirchhof. Das 18. Jahrhundert war wesentlich geprägt durch das Anwachsen der Bevölkerung, gefördert durch die Siedlungspolitik Friedrich II.. Es entstanden neue Büdnerhäuser, der „Werder“ und Teile der Dorfstraße wurden vollständig besiedelt. Hatten sich 1740 noch 4 Büdner niedergelassen, so waren es 1780 schon 19. Damit übertraf Birkenwerder die Nachbarorte bei weitem. Büdner waren im wesentlichen Handwerker. Die Anzahl der Bauern und Kossäten blieb unverändert. Eine neue Entwicklung trat mit dem Ende des Flurzwanges 1821 ein. Es entstanden zusammenliegende Anbauflächen (Separation), die mit der Aufhebung der Leibeigenschaft zu Handelsobjekten wurden. Allein zwischen 1824 bis 1829 kauften sich 6 Bauern und 7 Kossäten frei. Der nach Tonfunden in Birkenwerder einsetzende Ansturm auf das Bauern- und Kossätenland führte in den folgenden 40 Jahren zur Auflösung aller Gehöfte, ein Industriestandort war geboren. Zwischen 1837 und 1844 nahmen 4 Ziegeleien die Produktion auf.

 

Die Nachfragen aus dem aufstrebenden Berlin, die besondere Qualität der Ziegel besonders für Wasserbauten ergaben gute Absatzmöglichkeiten. Noch heute kann man im alten Museum in Berlin die Prägungen Birkenwerderaner Ziegel erkennen. Der Kirchenbau von Schinkelschüler August Stüler 1849 und das 1855 errichtete Schulhaus zeugen ebenfalls von der Kunst der Ziegelhersteller. Mit den Ziegeleien siedelten sich in Birkenwerder Berufsschiffer an, die den Torf für die Brennöfen heranschafften und die fertigen Ziegel an die Bestimmungsorte brachten. Um dem Konkurrenzdruck zu widerstehen schlossen sich 1872 drei Ziegeleien zur Birkenwerder Aktiengesellschaft für Baustoffe zusammen. 1874 wird Birkenwerder eigener Amtsbezirk und umfasst die Orte Birkenwerder, Hohen Neuendorf, Borgsdorf und Lehnitz. Drei weitere Ereignisse bestimmen den erneuten Aufschwung von Birkenwerder, die Inbetriebnahme der Nordbahn 1877, die Verlegung des kaiserlichen Hofjagdreviers vom Grunewald in den angrenzenden Birkenwerderaner Forst und der Bau des Großschifffahrtsweges Berlin Stettin von 1906 bis 1914. Mit der verstärkten Nachfrage nach Wohn- und Erholungsgrundstücken vollzieht sich der Übergang von der Land- und Industriegemeinde zum Vorort von Berlin. Der Niedergang der Ziegelindustrie 1910 hinterließ viel erschlossenes Land, was ideal war für interessierte Investoren. Straßen wurden ausgebaut, ein Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerk nahmen die Produktion auf, Villen und Landhäuser wurden errichtet, Gasthäuser schossen wie Pilze aus der Erde. In den 20er / 30er Jahren gab es mehr als 30 verschiedene gastronomische Einrichtungen mit Biergärten bis zu 2000 Sitzplätzen.. Die einzigartige Landschaft des Briesetals, der Boddensee und die 1925 geschaffene Badeanstalt in Briese ließen die Berliner zu Tausenden nach Birkenwerder strömen. Das 1898 eröffnete Sanatorium, gebaut von der Terraingesellschaft Bad Birkenwerder bei Berlin, machte Birkenwerder auch international bekannt. Das Sanatorium, zu DDR Zeiten Bezirksklinik für Orthopädie beherbergt heute die Asklepios – Klinik. 1912 wurde eines der schönsten Rathäuser des Berliner Nordens eingeweiht, was noch heute alle seine Anforderungen erfüllt. Der Neubau einer Sporthalle mit integriertem Feuerwehrdepot 1927 und die Eröffnung der Volksschule 1930 unmittelbar im Briesetal zeugen von der Weitsicht der damals Verantwortlichen. Die faschistische Zeit ging an Birkenwerder auch nicht vorbei. In der Kristallnacht barsten Fensterscheiben, Kommunisten aus Birkenwerder waren mit die ersten Insassen des Oranienburger KZ, Clara Zetkin wurde aus Birkenwerder vertrieben und enteignet. In der gleichen Zeit wurde in ehrenamtlicher Arbeit der wunderschöne Waldfriedhof geschaffen und Birkenwerder konnte mehrmals schönster Ort des Niederbarnim werden. Im Krieg gab es in Birkenwerder wenige Zerstörungen. Viele ausgebombten Berliner und Flüchtlinge suchten nach Kriegsende Unterkunft in Behelfsheimen. Bis zu 10000 Menschen hielten sich teilweise in Birkenwerder auf. Der Aufschwung war verheißungsvoll, Handwerk und Gewerbe blühten. Das änderte sich jedoch mit der Einführung sozialistischer Produktionsverhältnisse, Privatinitiative war zunehmend nicht mehr gefragt. Überall wurde Mangel verwaltet. Fachkräfte wanderten in den Westen ab, die Mauer schnitt 1961 viele Westberliner von ihrem Grundstückseigentum ab, der Instandhaltungsstau an Gebäuden und Straßen wurde größer, renommierte Gasthäuser wurden zu Betriebsferienheimen volkseigener Betriebe umfunktioniert, für die geteilte Stadt Berlin war Birkenwerder nicht mehr der Besuchermagnet. Das änderte sich mit der Wende 1989. Birkenwerder knüpfte an beste Traditionen an. Ein direkt an der Autobahn angelegtes Gewerbegebiet zog Handwerk, Gewerbe und mittelständische Industrie an. Handel und Dienstleistungen wurden wieder präsent, kommunaler Wohnungsbau und viele neue Privathäuser machen Birkenwerder als Wohn- und Erholungsort wieder interessant. Birkenwerder präsentiert sich als ein Ort im Grünen mit einer einzigartigen Lebensqualität.

Autor: Hildemar Wehner

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