Brandenburger Frauenwoche mit Vortrag über Frida Winckelmann

Im Rahmen der Brandenburger Frauenwoche rückten in diesem Jahr sozialistische Denkerinnen besonders in den Blick: Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Frida Winckelmann. Während Luxemburg vielerorts mit Straßen und Plätzen geehrt wird und auch Clara Zetkin im öffentlichen Raum präsent ist, blieb Frida Winckelmann lange nahezu vergessen. 1993 wurde ihr sogar die nach ihr benannte Straße aberkannt – ein Ausschluss aus der lokalen Erinnerungskultur! Erst 2023 wurde in Birkenwerder an ihrem ehemaligen Wohnhaus eine FrauenOrte-Tafel enthüllt. Am 15. März 2026 widmete der Förderverein der Clara-Zetkin-Gedenkstätte Birkenwerder der Sozialistin eine eigene Veranstaltung. Das Interesse und die Erwartung waren groß: Immer mehr Stühle wurden in den kleinen Raum getragen, die sich dicht um den Tisch der Referentin drängten. Die Vereinsvorsitzende Manuela Dörnenburg begrüßte die Historikerin Heike Stange, die zum Leben Winckelmanns forscht. Frida Winckelmann war eine außergewöhnliche Pädagogin und politische Aktivistin, die ab 1912 in der Bergallee 1 ein reformpädagogisches Landerziehungsheim leitete, das für seinen offenen und solidarischen Geist bekannt war und 1922 unter dem Vorwand der Verwahrlosung geschlossen wurde. Es war ein Treffpunkt politisch Gleichgesinnter: Karl und Sonja Liebknecht, Hermann und Käte Duncker - auch Rosa Luxemburg übernachtete oft. Während der NS-Zeit unterstützte Winckelmann Verfolgte, wurde 1933 selbst verhaftet und mehrere Monate im KZ Moringen inhaftiert. Auch danach blieb sie im Widerstand aktiv, bis sie 1943 im Alter von 70 Jahren starb. Nach dem Vortrag zeigte die lebhafte Diskussion mit sachkundigen Besuchern, wie groß das Interesse an dieser Persönlichkeit ist. Erwähnt wurde die jüdische Familie Rosenthal, deren Töchter einst Schülerinnen des Landerziehungsheims waren und mithilfe von Unterstützern nach Schweden und Dänemark fliehen konnten. Die Veranstaltung wurde so zu der wichtigen Würdigung einer Frau, deren Engagement erst heute wieder sichtbar wird. bm

Text/Foto: bm

Bildunterschirft:

Heike Stange vor dem Clara-Zetkin-Haus, in dem sie einen Vortrag über Frida Winckelmann hielt.