Wie überraschend vielseitig fünf Blechblasinstrumente klingen können, zeigte Birkenbrass am 14. Oktober beim ersten Konzert der neuen Reihe „Mittwochs in die Villa“. Im ausverkauften Jazzkeller der Villa Weigert erlebten die Gäste einen Abend, der musikalische Vielfalt mit persönlichen Begegnungen und besonderen Ehrungen verband.
Mit Jeremiah Clarkes festlichem „Trumpet Voluntary“ eröffnete das Quintett sein Programm. Giovanni Gabrielis „Canzona La Spiritata“ und Johann Sebastian Bachs „Air“ führten durch unterschiedliche Ausdruckswelten zwischen klangvoller Feierlichkeit und gesanglicher Ruhe. Eine Suite von Edvard Grieg und Poteenkos „Schmetterling“ erweiterten das musikalische Panorama.
Spanisches Temperament brachten „El gato montés“ von Manuel Penella, „La leyenda del beso“ von Soutullo und Vert sowie Amadeo Vives’ „Fandango“ ins Programm. Mit „Just a Closer Walk“, „Oh When the Saints“ und „Ice Cream“ kamen Jazz und beschwingte Unterhaltung hinzu. S. Buberows „On Cairn Gorm“ und Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ ergänzten die vielseitige Auswahl.
Ein besonderer Höhepunkt entwickelte sich aus einer Mitgliederehrung. Joachim Weigert, erster Vorsitzender der Kammermusikfreunde Birkenwerder und selbst Trompeter des Ensembles, würdigte Christoph Schäfer für seine 16-jährige Vereinsmitgliedschaft. Als Dank überreichte er ihm ein Weinglas mit dessen eingraviertem Namen und dem Logo der Kammermusikfreunde.
Dann wurde aus dem Geehrten ein Mitspieler: Posaunistin Gisela Schütze tauschte mit Schäfer die Plätze, und dieser spielte mit dem Ensemble österreichische Weisen auf seinem Tenorhorn. Zugleich wechselten die beiden Trompeter zu Flügelhörnern. Zusammen mit Waldhorn und Tuba standen damit ausschließlich Horninstrumente auf der Bühne – mit einem verblüffenden klanglichen Ergebnis.
Wo zuvor die Trompeten hell und strahlend hervorgetreten waren, entfaltete sich nun ein weicher, warmer und samtweicher Gesamtklang. Flügelhörner und Tenorhorn verbanden sich mit Waldhorn und Tuba zu einem besonders geschlossenen Ensembleklang. Die österreichischen Weisen erhielten dadurch eine wohltuende Wärme und Gesanglichkeit. Erstaunlich, wie grundlegend dieser Instrumentenwechsel den Charakter des Quintetts veränderte: ein eindrucksvoller Hörvergleich, unmittelbar und anschaulich.
Nach den österreichischen Weisen griffen die Trompeter wieder zu ihren Trompeten, und Gisela Schütze kehrte aufs Podium zurück. Diesen erneuten Wechsel nahm Weigert zum Anlass, zwei weitere langjährige Mitglieder zu ehren: Paul Slemeyer und Runold Jacobskötter wurden für jeweils 15 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. Auch sie erhielten als Zeichen des Dankes ein Weinglas mit persönlicher Namensgravur und dem Vereinslogo.
So verband dieser Auftakt musikalische Entdeckungen mit der Wertschätzung jener Menschen, die das Vereinsleben seit vielen Jahren mittragen. Die Nähe zwischen Musikern und Publikum machte den besonderen Reiz des Abends aus. „Mittwochs in die Villa“ hat damit einen überzeugenden Anfang gefunden – abwechslungsreich, persönlich und voller überraschender Klangfarben.
Text und Bilder: Vorstand der Kammermusikfreunde Birkenwerder
Bildunterschrift: von lks. nach re. Weigert, Slemeyer, Jacobskötter


