„Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben! Willst du nicht zu früh ins Grab, lehne jedes Amt gleich ab!“ Aus wessen Feder diese Zeilen stammen, ist strittig. Geht es nach Bürgermeister Stephan Zimniok (BiF), entspricht genau das Gegenteil der Wahrheit. Alle 95 Ehrenamtler der Gemeinde Birkenwerder waren am Freitagabend, 17.März, zum jährlichen Empfang geladen, der erstmals in der Asklepios-Klinik stattfand. Ob im sozialen oder kulturellen Bereich, in der Kommunalpolitik oder in Vereinen – die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind groß, werden aber nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung wahrgenommen. Umso wichtiger ist es der Gemeinde, sich bei denjenigen zu bedanken, die einen Teil ihrer Freizeit fürs Gemeinwesen investieren. „Es ist doch schön zu sehen, dass wir doch nicht so materiell sind, wie viele Kritiker sagen“, betont die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Kerstin Villalobos in ihrer Begrüßungsrede. Bei allen lobenden Worten weist Stephan Zimniok aber auch auf eine Gefahr hin, die das Engagement abseits von beruflichen Verpflichtungen mit sich bringt: „Ehrenamtler sollen kein Ersatz sein.“ Gerade dort, wo sich Menschen um andere Menschen kümmern, müsse grundsätzlich hinterfragt werden, in welchem Zuständigkeitsbereich die Aufgaben liegen.
Der Empfang mit Buffet und Livemusik dient nicht nur als Dankeschön der Verwaltung, sondern auch zum Austausch der Ehrenamtler untereinander. „Sie werden oft belächelt, weil sie nach ihrer Arbeit noch losrennen und sich engagieren“, erklärt der Bürgermeister. Noschine Biastoch (SÖB) ist sachkundige Einwohnerin im Sozialausschuss und sieht keine Probleme in der Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt. Tagsüber arbeitet die Diplompädagogin bei der Deutschen Bahn im Personalbereich, nach Feierabend macht sie sich mindestens einmal im Monat auf den Weg ins Rathaus, um in der Sitzung Vorschläge einzubringen und mitzureden. „Es ist für mich selbstverständlich, ein Stück meiner Zeit für andere zu geben“, erzählt die 33-Jährige. Für sie ist die Kommunalpolitik außerdem so etwas wie eine Familienangelegenheit. Ihr Vater Klaus Biastoch, der ebenfalls zum Empfang erschienen ist, war jahrelang Gemeindevertreter, nun ist der 68-Jährige Rentner und engagiert sich im Angelverein.
Am Nebentisch stehen zwei, die sich schon seit der Wendezeit aktiv für die Gemeinde einsetzen. Peter Ligner (Die Linke) und Georg Klein (IOB/BiF) liegt besonders die ökologische Ortsentwicklung passend zum Slogan „Birkenwerder – grün erleben“ am Herzen.
Eine der jüngsten Ehrenamtler ist die 19-jährige Laura Neumann, Vorsitzende des Jugendbeirats. „Es lohnt sich, etwas für die Jugend in Birkenwerder auf die Beine zu stellen“, erzählt sie. Die junge Frau hilft mit im Jugendclub und freut sich schon auf den neuen Anbau, der im September bezugsfertig sein soll.
Die Singer-Songwriter-Band „Little Numbers“ versprüht mit sanften Gitarrenklängen und Gesang eine gemütliche Atmosphäre ohne die vielen Gespräche der Gäste zu übertönen.
Foto: Bürgermeister Stephan Zimniok und Kerstin Villalobos, Vorsitzende der Gemeindevertretung bei der Eröffnungsrede


