Nicht nur gut besucht, sondern es war krachend voll, als die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d der Pestalozzi-Grundschule die Ergebnisse ihrer Forschungswoche am Freitag, den 20.02. im Ratssaal präsentierten. Neben der eingeladenen Parallelklasse waren auch viele Eltern und Großeltern gekommen, um sich die selbsterstellten Filme und Erinnerungskunstwerke ihrer Kinder anzusehen. Bürgermeister, Schulleiter und weitere geschichtsinteressierte Menschen aus dem Ort gesellten sich dazu.
Eine ganze Woche lang hatte die Klasse 6d unter Anleitung der erfahrenen Pädagoginnen und Pädagogen von Schlaglicht e.V. ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet und sich mit dem Leben jüdischer Familien unter nationalsozialistischer Herrschaft beschäftigt. Welche Auswirkungen hatte die antijüdische Gesetzgebung auch in ihrem Heimatort und was bedeutete dies damals konkret für Kinder? Wie funktioniert überhaupt Erinnerung? Wo im Ort kann man heute noch Spuren ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sehen? Was sind ihre Geschichten? Dabei immer wieder im Mittelpunkt: Der Bahnhof Birkenwerders. Als täglicher Ankunftsort nach der Schule oder erzwungener Abfahrtsort zur Zwangsarbeit.
Die historischen Themen und Fakten wurden sachlich fundiert, angemessen behutsam und durch verschiedene Materialien unterstützt vermittelt. Das geduldige Projektteam nahm jede Frage ernst und beantwortete sie umfassend. „Was kostete eigentlich so ein Judenstern, zu dessen Kauf und Anbringung auf der Kleidung die Menschen gezwungen wurden?“ oder „Gab es damals schon Tischtennis?“ Die Teammitglieder recherchierten zuverlässig und hatten die Antwort am nächsten Vormittag dabei. Die jungen Menschen wurden in die Lage versetzt, zeitgeschichtliche Abfolgen selbst zu erarbeiten und Zusammenhänge zu erkennen.
Gruppendynamische Spiele lockerten die arbeitsreichen Vormittage auf, stärkten das Miteinander und die Motivation. Auch die Auswahl der Spiele und die altersgerechte Tagesstruktur spiegelte langjährige Erfahrung und emanzipatorische Haltung des Projektteams wider.
Schülerinnen und Schüler waren genauso begeistert, wie die beiden begleitenden Lehrkräfte und die Schulsozialpädagogin der Pestalozzi-Grundschule. Die Lehrerin für Gesellschaftswissenschaften freute sich besonders über das Material zur Ortsgeschichte, das sie ab jetzt unbedingt auch im Unterricht verwenden will. Schlaglicht e.V. arbeitet konzeptionell mit Institutionen vor Ort zusammen, um die eigene Recherche durch deren Aufzeichnungen zu ergänzen. In Birkenwerder hatte freundlicher Weise das „Geschichtsstübchen“ biographisches Material und Fotos zugearbeitet.
Auch das Team vom Kinder- Jugend- und Freizeithaus CORN beteiligte sich. Die Klasse durfte ihre gesamte Wochenunterrichtszeit dorthin verlegen. Neben dem Plenum im Gruppenraum fand in allen Räumen Kleingruppenarbeit statt und die Pausenzeiten im Außenbereich oder im Clubraum in der zweiten Etage wurden zuverlässig von einer Mitarbeiterin des Jugendclubs betreut.
Den Höhepunkt bildete aber die Präsentation am Freitagmittag.
Sechs Kleingruppen hatten Kurzfilme zum Thema erstellt. Fotos und Videos von Exkursionen in Birkenwerder flossen genauso ein, wie kleine Sequenzen aus dem Leben der jüdischen Personen, von den Kindern mit selbst gefertigten und gefilmten Zeichnungen nachgestellt. Auch die Moderation der Schau übernahmen die jungen Menschen selbst. Das Publikum sparte nicht mit Applaus und konnte sich neben dem Erlebnis selbstbewusst und engagiert auftretender Grundschulkinder auch über individuellen Wissenszuwachs freuen.
Für die Klasse 6d schließt sich jetzt noch ein Besuch in Fürstenberg an, wo eine andere Schulkasse zum gleichen Thema gearbeitet hat. Außerdem freuen sich die Schülerinnen und Schüler schon sehr auf die Möglichkeit eines persönlichen Zeitzeuginnen-Gesprächs mit Ruth Winkelmann Ende März.
DANKE Schlaglicht e.V. !
Die Projektwoche fand im Rahmen des Projektes „Von Birkenwerder nach Fürstenberg - Flucht, Zwang und Verfolgung an der Nordbahn. Kinder forschen, Kinder erinnern.“ statt. Das Projekt wird von der Stiftung EVZ und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert. Den üblichen Eigenanteil der Teilnehmenden übernahm die Gemeinde Birkenwerd




