Genau am 1. Juli 1990 wurde der Betrieb als GmbH offiziell in die Handwerksrolle eingetragen, doch in Wirklichkeit ist das Familienunternehmen schon viel älter – es wurde am 27. September 1958 gegründet.
Der heutige Chef Stephan Heidrich übernahm die GmbH 2001 als Geschäftsführer von seinem Vater, der zehn Jahre später verstarb. „Er war 77 Jahre alt und hat wirklich noch bis zu seinem letzten Tag im Betrieb mitgearbeitet“, sagt Stephan Heidrich. Im Betrieb werden orthopädische Einlagen, Bandagen und Maßschuhe gefertigt. Die Profis machen Gehanalysen, führen Reparaturen aus und bieten Schuhzurichtungen an. „Diese benötigt man zum Beispiel, um unterschiedliche Beinlängen auszugleichen. Da wird dann die Sohle so verändert, dass das Gehen erleichtert wird“, erklärt Heidrich, dem es auch wichtig ist, dass der Schuh gut aussieht und es nicht sofort auffällt, dass es sich um einen Spezialschuh handelt. Es ist genau diese Mischung aus alter, aber auch moderner Arbeitsweise unter Nutzung von Computertechnik, die den 50-Jährigen nach wie vor motivieren und erfüllen.
Heidrich verkauft aber nicht nur Maßschuhe, sondern auch Industriewaren – besonders bequeme Schuhe mit herausnehmbaren Sohlen. Zu den Kunden, die aus dem gesamten Kreis Oberhavel sowie Nord-Berlin kommen, zählen Menschen mit Fußfehlstellungen oder Problemen an Knie, Hüfte oder Rücken. „Ich bin jedes Mal glücklich, wenn ich Menschen dazu verhelfen kann, wieder schmerzfrei gehen zu können“, sagt Stephan Heidrich. „Denn es hat ja auch etwas mit Teilhabe an der Gesellschaft zu tun, mobil zu sein und weitere Strecken laufen zu können.“
Schuhe werden auch in Sondergrößen gefertigt
Als ganz besonderer Kunde ist Lars Motza aus Berlin in Erinnerung geblieben, der es mit Schuhgröße 54 sogar bis ins Guinessbuch der Rekorde geschafft hat. „Er kam zu mir, weil er Sicherheitsschuhe brauchte – für seine Ausbildung als Tischler. Er bekam nirgendwo welche zu kaufen. Wir haben ihm die gewünschten Schuhe nach Maß angefertigt und so konnte er seine Ausbildung pünktlich beginnen“, berichtet der Chef freudig. Stephan Heidrich ist in Birkenwerder geboren und aufgewachsen. Den Beruf des Orthopädieschuhtechnikers hat er in Potsdam-Babelsberg gelernt. Den Meister machte er 1995 in Dresden. „Am 25. Mai hatte ich mein 25-jähriges Meisterjubiläum.“
Filiale seit vielen Jahren auch in Hennigsdorf
Abgesehen von den Lehrstationen sei er Birkenwerder immer treu geblieben. Nichtsdestotrotz gibt es bereits seit mehr als 20 Jahren auch eine kleine Filiale in der Hennigsdorfer Feldstraße. Seit 2001 ist die Orthopädieschuhtechnik in der Hausnummer 26 zu finden. „Früher waren wir im Souterrain in der Feldstraße 14.“ Das Unternehmen bildet kontinuierlich Nachwuchs aus, allerdings immer nur einen oder eine zur gleichen Zeit. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Derzeit befindet sich Merlin Kobs kurz vor der Gesellenprüfung. Zum 60. Firmenjubiläum 2018 sagte Heidrich, der Job sei krisensicher. Sieht er das heute auch noch so? „Ja, auf jeden Fall. Wir durften auch während der Corona-Zeit durchgängig öffnen, natürlich unter Einhaltung aller Vorschriften. Unsere Kunden sind auf die medizinischen Produkte angewiesen.“
Text/Foto: ww
Bildunterschrift: Geschäftsführer Stephan Heidrich (2. von links) mit seinen Kollegen in Birkenwerder.


