Polizist ist einer der gefährlichsten Berufe der Welt. Dass dies mehr als eine Binsenweisheit ist, zeigen die zahlreichen Fälle von Beamten, die im Dienst umgekommen sind. Polizeioberkommissar Michael Stricker aus Birkenwerder hat ein Buch über 155 von ihnen geschrieben.
Fast zwölf Jahre ist es her, dass den Polizeibeamten Uwe Lieschied während seiner Nachtschicht ein Schuss in die Schläfe traf. Vier Tage später starb der 42-jährige Familienvater im Krankenhaus Neukölln. Ein Räuber auf der Flucht hatte ihn getötet. Als Michael Stricker von der Geschichte erfuhr, lief es ihm eiskalt den Rücken runter. Seit 1988 ist der heute 50-Jährige bei der Berliner Polizei tätig und seit 2004 in Birkenwerder zu Hause. Im Ratssaal der Gemeinde referierte er am Freitagabend, 26. Januar, erstmals über seine Recherchen zu Polizisten, die im Dienst ums Leben kamen. Im Jahr 2006 fing alles an. Michael Stricker wollte mehr über die Hintergründe zum Tod von Uwe Lieschied erfahren und begann zu recherchieren. Beruflich hatte er nichts mit Polizistenmorden zu tun, seinem Interesse an dieser traurigen, aber gleichzeitig spannenden Thematik ging Stricker in der Freizeit nach.
In seiner Freizeit begab sich Michael Stricker auf Spurensuche in Archiven und sprach mit Zeitzeugen. 155 Fälle hat er in seinem Buch zusammen getragen.
Er begab sich unter anderem ins Archiv des Landeskriminalamtes Berlin, in die Gauck-Behörde, sammelte Presseartikel und befragte Zeitzeugen. 155 Fälle zählte Stricker zwischen 1918 und 2010. Sie alle in einem über 600 dicken Wälzer zu sammeln, war eigentlich nicht sein Plan. Doch die Recherchen gingen weiter und weiter – bis in die Zeit der Weimarer Republik. Michael Strickers Buch „Letzter Einsatz“ ist 2012 im Verlag für Polizeiwissenschaft erschienen.
In seinem Vortrag am Freitag ging es unter anderem um den Doppelmord an Paul Anlauf und Franz Lenck am 9. August 1931, auch bekannt als die Morde auf dem Bülowplatz. Zu dieser Zeit tobten Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und der Polizei. Die Täter waren Mitglieder des sogenannten KPD-Selbstschutzes – darunter auch der spätere Stasi-Chef Erich Mielke, damals 23 Jahre alt. Erst 1993 verurteilte ihn das Landgericht Berlin zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Ende 1995 wurde er im Alter von 88 Jahren auf Bewährung entlassen.
Das Publikum zeigte großes Interesse am Vortrag im Rathaus. „Vielleicht wiederhole ich das Ganze noch einmal, dann aber mit anderen Fällen“, sagte Michael Stricker am Ende.
Text/Foto: ww
Polizeioberkommissar Michael Stricker zeigt sein Buch „Letzter Einsatz“, erschienen im Verlag für Polizeiwissenschaft


